Energetische Sanierung könnte 2.500 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen

Die Online-Zeitschrift “Dämmen und Sanieren” veröffentlichte im Oktober 2013 einen Beitrag über die Papageiensiedlung,

in dem unter anderem auf die vorbildliche energetische Sanierung eines Reihenhauses hingewiesen wurde.
60% der bisher eingesetzten Energie konnten eingespart werden, indem die Innenräume, Dach und Kellerdecke gedämmt sowie sämtliche Fenster saniert wurden.

Der Autor weiter:

“Würde die gesamte Siedlung mit ihren 1.000 Reihenhäusern nach oben genannten Vorbild saniert, betrüge das Energieeinsparpotenzial allein bei der Heizung rund 12.000 MWh oder 2.500 Tonnen CO² pro Jahr. Die Daten werden erst dann belastbarer, wenn die Bewohner ihre tatsächlichen Daten zur Auswertung einreichen würden. Um die Eigentümer der Wohnhäuser in der Papageiensiedlung zu weiteren Sanierungsmaßnahmen zu motivieren, hat der Aktionskreis Energie (AK Energie) angeboten, die Energierechnungen auszuwerten und den spezifischen Verbrauch zu ermitteln.”

Die Eckdaten des Reihenhauses:

- Baugrundfläche: 112 m² – Heizwärmebedarf: 54,7 kWh/(m² a) – Primärenergiebedarf: 88,55 kWh/(m² a) gem. EnEV – Baukosten: 934 Euro / m² – Fertigstellung: 2009


Besichtigung eines vorbildlich energetisch sanierten Hauses

Über 50 Siedlungsbewohner, Nachbarinnen und Architekten haben sich am 13. August vor dem Haus am Fuchspass 35 versammelt, um eine gelungene energetische Sanierung zu begutachten. Eingeladen hatte der Aktionskreis Energie zusammen mit dem Verein Papageiensiedlung e.V. auf Anregung des Architekten Christoph Deimel. Die dort lebende Familie ermöglichte den Versammelten einen Rundgang durch ihr Haus.

Der Aktionskreis organisiert Veranstaltungen rund um die Gebäudesanierung und insbesondere Führungen zu gelungenen Beispielen. „Von einander lernen und Vertrauen schaffen“, so Peter Schrage-Aden vom Vorstand, sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Sanierung. Das Verhältnis zum Architekten sei vergleichbar mit dem zu seinem Arzt, man sollte sich gut aufgehoben fühlen.

Der Energieverbrauch des Reihenhauses in der denkmalgeschützten Siedlung wurde um 60% auf 54 kWh pro m² und Jahr gesenkt. Ein durchschnittliches Wohngebäude benötigt 170 kWh.

Erreicht wurde dieses durch den Einbau einer Innendämmung von durchschnittlich 6 cm, der Dämmung des Daches und der Kellerdecke und Sanierung der Fenster. Beheizt wird das Haus über eine Wandheizung in den Innenwänden. Damit auch ausreichend frische Luft ins Haus kommt und sich kein Schimmel bildet, wurde eine über die Raumfeuchte gesteuerte Lüftungsanlage eingebaut. Aus baulichen Gründen musste auf eine Wärmerückgewinnung verzichtet werden. Weitere Informationen und einen Gebäudesteckbrief sind auf der Internetseite des AK Energie zu finden.

Im Anschluss an die Führung wurde in der Bruno-Taut-Galerie in der Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte weitere Erfahrungen ausgetauscht. Vereinbart wurde, dass weitere Besichtigungen in der Siedlung an anderen Beispielen angeboten werden.

Wer eine gelungene Sanierung vorstellen möchte, kann sich an den AK Energie wenden. Der besondere Schwerpunkt Fenstersanierung wird in einer Veranstaltung im Herbst behandelt werden.

Der AK bietet den Bewohnern der Bruno-Taut-Siedlung zudem an, ihre Energierechnungen auszuwerten und den spezifischen Verbrauch zu ermitteln. Nur wer weiß, wie viel er oder sie an Energie verbraucht, kann auch richtig handeln, ist die Botschaft.
Peter Schrage-Aden (Klimabeauftragter des Bezirks, AK Energie)
Weitere Informationen:
www.ake-ev.de eMail: Kontakt@ake-ev.de


DENKMALSCHUTZ ODER UMWELTSCHUTZ - (K)EIN WIDERSPRUCH

Das Ensemble unserer Häuser ist denkmalgeschützt. Das bedeutet, dass alle äußerlichen Änderungen – neue Anstriche, Fenster oder Türen – von der Denkmalbehörde genehmigt werden müssen, bei Verstößen dagegen droht ein Bußgeld. Genaue Informationen dazu liefert die Broschüre der Unteren Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf

Dass der Denkmalschutz relativ strikt gehandhabt wird, ist berechtigt und hätte durchaus schon früher durchgesetzt werden sollen. Manch eine moderne Plastiktür, manche seltsamen Fensterrahmen, manche Farbgebungen auf den Hauswänden tun dem Gesamteindruck dieses einmaligen Bauhaus-Ensembles nicht gut. Dass der Originalzustand aus den 1920er Jahren nicht mehr durchgängig erhalten ist, hat wohl auch dazu geführt, dass die UNESCO davon Abstand nahm, zusätzlich zu den anderen Taut-Siedlungen auch diese auf ihre Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Dennoch ist die Papageiensiedlung immer noch so schön, dass sie immer wieder von Schwärmen europäischer Architekturstudenten oder fotobewehrter japanischer Touristinnen heimgesucht wird.

Der denkmalgerechte Erhalt unserer Häuser ist uns ein Herzensanliegen. Doch gleichzeitig wollen wir unseren Teil dazu beizutragen, dass der Klimawandel noch aufgehalten werden kann. Das ist nicht ganz leicht zu vereinbaren, denn eine wärmeisolierende Außendämmung oder der Einsatz bestimmter Isolierglasfenster ist uns nach der Denkmalschutzverordnung verboten.

Doch es gibt durchaus Mittel und Wege, Denkmal- und Umweltschutz zu vereinbaren. Bereits auf unserer Veranstaltung im Februar 2008 im EMA-Gemeindehaus gab es dazu viele verschiedene Anregungen von Seiten der ReferentInnen und des Publikums.

Im Folgenden einige Punkte für gute denkmalschutz- sowie umweltgerechte Lösungen:

Isolierung von Innenwänden, Dach und Keller

Innenwände:
Hier empfehlen sich Isolierplatten aus Calciumsilikat, die hervorragende Dämmeigenschaft bei Dicken bereits zwischen 2,5 und 8 cm haben. Hier verliert man damit kaum Raumvolumen. Allerdings muss immer darauf geachtet werden, wie sich ggf. der Taupunkt in den Wänden verschiebt. Es sollte also fachkundiger Rat eingeholt werden.

Dach:
Die Dachisolierung ist für unsere Häuser das erste Mittel der Wahl!
Wenn die Dachpappe erneuert werden muss oder auch im Normalfall sollte eine moderne hochisolierende Dämmschicht untergelegt werden. Es gibt optisch denkmalgerechte Lösungen. Zusätzlich empfiehlt es sich, von oben zwischen die Dachsparren (Balkendecke) Isolierung einzubringen.

Keller:
Wenn die Kellerwände feucht sind oder auch bisweilen im Normalfall sollte die Außenisolierung erneuert werden. In diesem Fällen sollte an eine entsprechende Wärmedämmung der Außenwände gedacht werden.

Falls der Keller nicht zu weiteren Wohnzwecken genutzt wird, kann auch eine Isolierung der Kellerdecke mit Calciumsilikat-Platten zum Einsatz kommen.

Heizung und Warmwasser
Hier kann am Beginn des Energieeinsatzes gespart werden!
Deshalb lohnt es sich, ältere Heizungen durch Gasbrennwertheizungen zu ersetzen; dies kann 20 Prozent Energieeinsparung bedeuten. Wenn möglich, sollte dies mit Sonnenkollektoren auf dem Dach kombiniert werden, die für warmes Wasser sorgen und ggf. die Heizung unterstützen.

Holzpellets-Heizungen:
Die Wärmeenergie aus erneuerbaren Energieträgern herzustellen ist sicher die beste Variante. Allerdings müssen wir in unseren Häusern immer daran denken, wieviel Platz wir für die Lagerung der Pellets zur Verfügung stellen können oder wollen.

Blockheizkraftwerke:
Auch für unsere „kleinen“ Häuser gibt es bereits ausgereifte KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung). Erzeugen wir doch unseren Strom als „Abfallprodukt“ der Heizung selbst. Für den Einfamilienhausbereich könnte zum Beispiel eine Anlage mit einer Leistung eines Stirling-Motors mit 5 kW thermisch und 1 kW elektrisch und einem Zusatzbrenner von 18 kW mit Erdgas zum Einsatz kommen. Durch geringe Abmessungen passen sie auch in unsere Häuser.
Ein Problem stellen sicherlich die relativ hohen Investitionskosten dar.

Fenster, Türen und Wintergärten
Kastenfenster innen mit Isolierverglasung sind denkmalschutzgerecht und haben hervorragende Wärmeschutzeigenschaften.
Neue, isolierte, original nachgebaute Holzeingangstüren werden von vielen Tischlereibetrieben angeboten.
Wintergärten, die den Normentwürfen entsprechen, sollten mit hochisolierenden Wärmeschutzgläsern versehen werden.

Photovoltaik, also Strom aus Sonnenenergie
Einspeisung:
Die nunmehr radikal gekürzte Einspeisevergütung für Strom aus privaten Photovoltaik-Anlagen entsprecht zur Zeit nur ca. 80 % des Strompreises (je nach Anbieter), den wir selbst zahlen.

Eigennutzung:
Allerdings bietet sich bei stetig steigenden Bruttostrompreisen die Eigennutzung des durch Photovoltaik erzeugten Stroms an. Wer also den Stromverbrauch schwerpunktmäßig auf Sonnenstunden legen kann, kann seine Photovoltaikanlage immer rentabler nutzen.

Gemeinschaftanlage:
Eine weitere Möglichkeit ist die kollektive Nutzung von Photovoltaik. Da es finanziell und technisch aufwändig ist, wenn jeder Nachbar sich seine eigene Anlage aufs Dach packt, könnten sich Nachbarn der einzelnen Häuserzeilen zusammenschließen und sich auf ihren Dächern zusammen verkabeln. Dadurch könnten sie Solarstrom für Eigenbedarf und Einspeisung produzieren. Architektonisch ist das möglich, die Dachkonstruktion ist stabil genug. Finanzielle Fördermöglichkeiten gibt es ebenfalls, unter anderem durch die Vergütung des ins allgemeine Stromnetz eingespeisten Solarstroms.

Als Fazit lässt sich feststellen:
Auch für unsere denkmalgeschützte Papageiensiedlung stehen vielfältige technische und bauliche Maßnahmen zur CO2-Reduktion und Energieersparnis zur Verfügung. Einiges ist sogar ökonomisch sehr rentabel.